Dienstag, 31. Oktober 2017

Halloween-Takeover Thorben und Bärenbrut

„Bärenbrut“ Halloween Special

Wie ein Bewerber nach dem anderen aus der Tür vor ihm getreten wurde, kaute Thorben dermaßen nervös auf seiner Krawatte herum, es war ein Wunder, dass er sich nicht an ihr würgte.
„Der Nächste!“
Verfluchter Angstschweiß. Er musste stinken wie ein bepisster Hund, als er aus dem Wartezimmer torkelte. Ja, das war schon richtig, wie nasser Hund und Pisse zusammen. Er hasste sein Lampenfieber so sehr …
„Name?“ Er wurde misstrauisch hinter riesigen Brillengläsern beäugt. Sein potentieller Chef war schmuddeliger als erwartet, wie er zwischen Kaffeetassen, Bewerbungsunterlagen und Jogginghosen versank. Verdammt, Thorben hatte sich viel zu schick angezogen.
„Tho- Thorben.“ Er wischte sich unnötigerweise die Hände an der Hose ab, die sofort wieder nass waren. „Mö- möchte mich für die Bärenbrut-Rolle bewerben.“
„Na, dafür sehen Sie mir reichlich mickrig aus.“ Böser-Bulle-Chef zog mit gelangweiltem Ausdruck die Nase hoch. „Sicher, dass Sie bei uns richtig sind? Wir stellen für die Galgenmärchen nur Leute mit harter Erfahrung an. Immerhin geht es bei uns um Re-Enactments vom 30-jährigen Krieg, Stunts mit potentiellen Brüchen und …“
Thorben führte seinen Satz zu Ende: „… Grunderfahrungen in Sachen Magie, Gestaltwandel und Teufelspaketen sollten auch schon gegeben sein.“
Dicke Augenbrauen hoben sich skeptisch hinter den Brillengläsern.
„Ha- hab ich auswendig gelernt“, hauchte Thorben, an seiner Krawatte zupfend.
„Na, schön für Sie.“ Die Augenbrauen senkten sich wieder. „Aber bringen Sie halbe Portion das auch alles mit?“
„Se- selbstverständlich. Ich demonstriere!“ Thorben erhob sich abrupt und warf die Arme in die Luft. Das war der Moment, auf den er so lange gewartet hatte! Monatelang hatte er für diese Rolle geprobt. Heute würde er seine Eltern stolz machen – sie sollten ihm, dessen Aufstieg als Schauspieler sie nicht mehr erleben konnten, am stärksten vom Himmel applaudieren, sowie er die Bärenbrut-Rolle gab.
„Herr … Herr Vater“, gab er die dramatische Anfangsszene zum besten, mit allem Schmerz, den er in sich trug. „Steht auf! Bitte, steht –“ Seine Krawatte hatte es irgendwie geschafft, sich um die Türklinke zu rollen. So wurde sein abschließendes „… auf!“ zu einem langgezogenen Heulen, gefolgt von einem jämmerlichen Sturz.
Da lag er, in Schweiß und Schande. Verratzt und zugenäht.
Tränen sammelten sich in seinen Augen, während er röchelnd die Krawatte lockerte, die ihn zu erwürgen drohte. Und vom Schreibtisch kam eine Stimme: „Das war doch gar nicht so schlecht.“
Thorben hielt mitten in der Bewegung inne. Hatte er richtig gehört?
„Sie haben nicht einmal gestammelt! Gut, das funktioniert bei der Rolle auch nicht. Aber da Sie mit Abstand am meisten Elan gezeigt haben, bekommen Sie die Rolle. Bärenbrut ist immerhin eine Tragödie, da muss großes Gefühl sein. Und Ihr Name ist sehr klangvoll, den können wir gleich für den Protagonisten nehmen.“
Tränen flossen Thorben übers Gesicht. „Da- danke!“

„Oh bitte. Kommen Sie nur nicht mit dieser geschmacklosen Krawatte zur Arbeit!“  

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